Gedanken zur anstehenden JHV 2020

Die erste virtuelle Mitgliederversammlung des 1.FC Nürnberg rückt immer näher. Es ist gut, dass es trotz Corona-Krise eine JHV gibt. Für Satzungsänderungen ist sie jedoch der falsche Rahmen.

Am 20. Oktober findet die diesjährige Mitgliederversammlung unseres 1. FC Nürnberg statt. Erstmals in der 120-jährigen Vereinsgeschichte virtuell. Aufgrund der Corona-Pandemie schuf der Gesetzgeber dafür den rechtlichen Rahmen, die Vereinsoberen haben entschieden, diese Möglichkeit zu nutzen.

Es wird also eine besondere Mitgliederversammlung in besonderen Zeiten. Manch einer verspricht sich sogar von diesem Format mehr Demokratie und möchte es auch in der Zukunft gesetzt sehen. Begründet wird dies mit der Annahme, dass so mehr Mitgliedern die Teilnahme an der Versammlung ermöglicht wird. Eine möglichst hohe Wahlbeteiligung bei der Mitgliederversammlung ist selbstverständlich wünschens- und erstrebenswert. Nicht nur auf Grund unserer demokratischen Satzung, sondern auch zur Legitimation der darin gefällten Entscheidungen.

Jedoch ist Demokratie auch gekennzeichnet durch einen Willensbildungsprozess; der Wähler übernimmt mit seinem Votum Verantwortung und ist zumindest moralisch in der Pflicht, sich zu informieren und sich im Optimalfall im Austausch mit anderen Mitgliedern eine Meinung zu bilden. Aber wie lässt sich bei der virtuellen Variante der direkte Austausch der Mitglieder bewerkstelligen?

Schließlich ist die Mitgliederversammlung des 1. FC Nürnberg normalerweise der Tag, an dem die Clubfamilie zusammenkommt. Das ist aufgrund der Corona-Pandemie freilich nicht möglich. Doch die persönliche Begegnung der Clubmitglieder ist, gerade bei weitreichenden Entscheidungen, unerlässlich. Unsere Mitgliederversammlung war stets ein Stück gelebte Demokratie des Vereins. Hier traf man sich, um Dinge zu diskutieren sowie zur gemeinschaftlichen Entwicklung von Stimmungs- und Meinungsbildern. Das ist im Netz so nicht möglich. Stimmungen und Reaktionen drohen bei einer Online-Versammlung völlig verloren zu gehen, womit sich die Hoffnung auf mehr Demokratie womöglich gar ins Gegenteil verkehrt.

Durch das digitale Format entfällt zwar die aufwändige Anreise für auswärtige Clubmitglieder, aber wie ist es um die vielen älteren oder technisch nicht so versierten Mitglieder bestellt?  Und Fragen nach technischer Sicherheit oder rechtlichen Aspekten gilt es ebenso zu klären, wie die Sicherstellung, dass jedes Mitglied gemäß Vereinsrecht seine Stimme tatsächlich höchstselbst abgibt.

Es wäre also klug, die anstehende virtuelle Mitgliederversammlung zunächst abzuwarten, im Nachgang gemeinsam zu bewerten und erst dann über das Format künftiger Versammlungen zu entscheiden. Derzeit besteht der rechtliche Rahmen für die virtuelle Variante, sodass am 20. Oktober alle notwendigen, wichtigen und zukunftsbestimmenden Beschlüsse gefasst werden können. Schließlich stehen die turnusgemäße Wahl von Aufsichtsratsmitgliedern sowie die Wahl der Delegierten und Ersatzdelegierten zum Dachverein an. Auch ist über die Entlastung von Vorstand und Aufsichtsrat zu entscheiden.

Es ist somit gewährleistet, dass unser Club uneingeschränkt handlungsfähig bleibt, erforderliche Wahlen und Beschlüsse erfolgen. Für Veränderungen der Satzung ist jedoch die kommende Online-Versammlung der falsche Rahmen. Überhaupt, in einer Zeit großer Herausforderungen, nicht nur für den 1. FC Nürnberg oder den Fußball, sondern für die gesamte Gesellschaft, gilt es, mit Bedacht und Augenmaß voranzugehen – auch auf dieser ersten virtuellen Jahreshauptversammlung unseres FCN.

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